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Vorlage - V 09/0207-01  

 
 
Betreff: Bericht zum Handlungskonzept "Seniorengerechte Stadt"
Status:öffentlichVorlage-Art:Berichtsvorlage
Verfasser:Jörg Marx, Tel. 5012
Federführend:Amt 50 - Sozialamt Beteiligt:Amt 50 - Sozialamt
Beratungsfolge:
Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales Vorberatung
19.03.2009 
Öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ausschusses für Arbeit, Gesundheit und Soziales zur Kenntnis genommen   
19.11.2009 
Öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ausschusses für Arbeit, Gesundheit und Soziales zur Kenntnis genommen   

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Finanzielle Auswirkungen
Anlage/n
Anlagen:
Seniorenpolitik_MH_Projektbericht-Anhang  

Behandlungsvorschlag:

Behandlungsvorschlag:

Der Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales nimmt den Bericht zum Handlungskonzept „Seniorengerechte Stadt“ zur Kenntnis.

 

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Bericht:

 

I. Zusammenfassung des Sachverhaltes und der Entscheidungserfordernisse:

Nach Abschluss der wissenschaftlichen Begleitung durch die Forschungsgesellschaft für Gerontologie (FfG) Dortmund werden im nachfolgenden Bericht die Ergebnisse und Handlungsempfehlungen vorgestellt.

 

II. Bericht:

 

Mit Beschluss des Ausschusses für Arbeit, Gesundheit und Soziales am 18.05.2006

(Nr. V06/0431-01) wurde die Forschungsgesellschaft für Gerontologie (FfG) der Universität Dortmund beauftragt, ein Handlungskonzept für die Seniorenpolitik der Stadt Mülheim an der Ruhr zu erarbeiten.

Dieses Handlungskonzept sollte eine soziodemografische Analyse der Stadt Mülheim an der Ruhr sowie eine Bestandsaufnahme der Einrichtungen und Angebote für bzw. mit Relevanz für ältere Menschen umfassen. Darauf aufbauend war dann eine gezielte Strategie zur Angebotsentwicklung und –anpassung zu erarbeiten.

 

Hierzu fand am 28.08.2006 eine Auftaktveranstaltung statt, in der die Vertreter/innen der FfG den anwesenden Teilnehmern der Wohlfahrtsverbände, der Politik und Verwaltung sowie anderer Organisationen die konzeptionellen Rahmenbedingungen des Projektes hinsichtlich des Aufbaus und des Ablaufes durch Durchführung der geplanten Workshops vorstellten.

 

In der Sitzung des Ausschusses für Arbeit, Gesundheit und Soziales am 16.11.2006 stellte die FfG einen ersten Zwischenstand vor. Dieser umfasste neben einer aktuellen Aufgaben- und Zeitplanung eine Beschreibung der soziodemografischen Lage.

Die FfG wertet hier stadtteil- und wohngebietsbezogen Daten zur Altersstruktur und zu den sozialen Merkmalen der Stadt aus. Ziel war es, durch diese Analyse eine gute Planungsvoraussetzung für eine Weiterarbeit in den Stadtteilworkshops zu schaffen, die ab Januar 2007 durchgeführt wurden.

 

Bis Oktober 2007 wurden insgesamt in 6 ausgewählten Stadtteilen (Saarn, Altstadt I und Altstadt II, Heißen, Dümpten und Styrum) 12 Workshops (Stadtteilgespräche) durchgeführt.

 

Die Ergebnisse dieser Workshops wurden Vertretern von Politik, Wohlfahrtsverbände und anderen Organisationen am 29.10.2007 vorgestellt.

Übereinstimmend wurde dabei festgestellt, dass die Arbeit in den Stadtteilen im Rahmen einer 3. und 4. Workshop-Reihe im Jahr 2008 mit dem Ziel fortgesetzt werden soll, diesen partizipativen Ansatz der Bürgerbeteiligung zu verstetigen.

 

In der Sitzung des Ausschusses für Arbeit, Gesundheit und Soziales vom 14.02.2008 präsentierte die FfG die Ergebnisse der bis dahin stattgefundenen Workshops in Form eines weiteren Zwischenberichtes. Die Wünsche und Vorstellungen der älteren Bürgerinnen und Bürger waren unter den Themenfeldern „Wohnen im Alter“, „Alltagshilfen“ und „Pflege“ diskutiert worden und sollten in den beiden noch stattfindenden Workshop-Reihen um weitere Themen erweitert werden.

Als übergreifende Themen wurden u.a. genannt:

Der Ausbau von Beratung, Information und Öffentlichkeitsarbeit, die Förderung der Mitwirkung der älteren Bürger/innen und des bürgerschaftlichen Engagements, die Erschließung und Vernetzung der vorhandenen Ressourcen in den Stadtteilen sowie die Förderung der Zusammenarbeit der Akteure im Stadtteil.

Als wesentliches Ziel wurde die Etablierung von Beteiligungsstrukturen (Arbeitsgruppen) in den Stadtteilen und die Weiterentwicklung stadtteilbezogener Anlaufstellen genannt.

 

Ab April 2008 wurden bis zum Ende des Jahres 2008 weitere 12 Stadtteilgespräche unter Moderation der FfG durchgeführt. Mit Abschluss der Arbeit der FfG zum Ende des Jahres 2008 wurde der nachfolgend zusammengefasste Bericht mit der im Anhang befindlichen Datenübersicht verfasst.

Monatlich finden in den bisher bearbeiteten Stadtteilen Arbeitsgruppen mit Bürgerinnen und Bürgern, Vertretern der freien Wohlfahrtspflege und privaten Dienstleistern statt.

Die nachfolgende Darstellung beinhaltet die wesentlichen Ergebnisse und Handlungsempfehlungen zur „Weiterentwicklung der Seniorenpolitik in der Stadt Mülheim an der Ruhr“. Die im Anhang hierzu verfassten Datenübersichten unterstützen diese Handlungsempfehlungen, mit deren Umsetzung im Rahmen der o. g. Stadtteil-Arbeitsgruppen intensiv begonnen wurde.

 

Handlungsempfehlungen zu den Aufgaben und Themen altersbezogener Stadtentwicklung – stadtteilübergreifend.

 

·         Ausbau von Beratung, Information und Öffentlichkeitsarbeit;

·         Förderung der Mitwirkung und des bürgerschaftlichen Engagements älterer Bürgerinnen und Bürger;

·         Erschließung und Zusammenführung der vorhandenen Ressourcen in den Stadtteilen („Vernetzung“);

·         Förderung der Zusammenarbeit der professionellen und ehrenamtlichen Kräfte mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern durch Schaffung verbindlicher Beteiligungsstrukturen

·         sowie die Einrichtung bzw. Weiterentwicklung von Kontakt- und Informationsstellen in den Stadtteilen;

·         Beschäftigung mit der Thematik selbstständigen Wohnens im Alter:

·         Erweiterung des betreffenden Beratungsangebots, Konzeptionierung bedarfsorientierter „betreuter“ Wohnformen, Durchführung von Bedarfsanalysen, regelmäßige Zusammenarbeit zwischen Wohnungswirtschaft, Stadtplanung etc.;

 

·         Gestaltung des Wohnumfelds:

·         Erarbeitung stadtteilbezogener Konzepte zur Aufrechterhaltung der Nahversorgungsmöglichkeiten;

·         Herstellung von Barrierefreiheit im öffentlichen Raum;

·         Anpassung des ÖPNV an die Erfordernisse einer alternden Bevölkerung.

 

·         Verbesserung der Versorgung mit Alltagshilfen:

·         Herstellung von Alltagskontakten zu älteren Bürgerinnen und Bürgern durch Multiplikatoren;

·         Förderung der Nachbarschaftshilfe durch Intensivierung der persönlichen Kommunikation;

·         Verbesserung der Information über bestehende Angebote (z. B. „Flyer“).

 

·         Weiterentwicklung der pflegerischen Versorgung:

·         Verbesserung der Information über professionelle Pflegeangebote durch persönliche

Kontaktaufnahme der betreffenden Einrichtungen im Stadtteil mit älteren Bürgerinnen und Bürgern.

·         Auf- bzw. Ausbau eines quartiersnahen pflegerischen Unterstützungsangebots

bei geringfügigem Pflegebedarf, Entwicklung bzw. Ausbau nicht stationärer („alternativer“) Versorgungsformen für demenziell Erkrankte, Förderung der Selbstbestimmung pflegebedürftiger Personen, die in Heimen leben, Einbindung von Verbänden, Initiativen etc. in die weiteren Planungen;

·         Förderung ehrenamtlichen Engagements:

·         Professionalisierung der Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Ehrenamt;

Verbesserung der Information über das CBE;

·         Förderung der Nachbarschaftshilfe in den Stadtteilen;

·         Projektierung von Begegnungsmöglichkeiten, auch generationenübergreifend.

 

Handlungsempfehlungen zu den Aufgaben und Themen altersbezogener Stadtentwicklung – stadtteilbezogen

 

Stadtmitte (Altstadt I)

 

·         Kontakt- und Informationsstelle für ältere Bürgerinnen und Bürger (ggf. in bestehenden Einrichtungen);

·         effizientere Organisation des Angebots an Alltagshilfen („vernetzte“ Arbeitsstrukturen);

·         generationenübergreifende Projekte gemeinsam mit dem Centrum für bürgerschaftliches

Engagement (CBE);

·         Verbesserung der Situation von demenziell erkrankten Personen;

·         Intensivierung von Kooperationsbeziehungen, Transparenz.

 

Eppinghofen (Altstadt II)

 

·         Beratungsstelle mit Kommunikationszentrum für ältere Bürgerinnen und Bürger (unter Einsatz vorhandener Ressourcen wie Begegnungsstätten, Stadtteilmanager etc.);

·         Möglichkeiten gemeinsamen Wohnens von mehreren Generationen im Wohnungsbestand;

·         Serviceleistungen für ältere Mieterinnen und Mieter im Wohnungsbestand;

·         Beratungsstelle für pflegende Angehörige;

·         Tagesstätte für demenziell erkrankte Personen;

·         spezielle Angebote für „junge“ Alte.

 

Styrum

·         Nutzung bestehender Kontakt- und Informationsstellen für die Beratung und Begegnung älterer Bürgerinnen und Bürger;

·         Ausbau existierender Kommunikations- und Kooperationsformen (“Netzwerk“);

·         direkte Information alleinlebender älterer Menschen durch ambulante Dienste über vorhandene Angebote;

·         Berücksichtigung der Interessen und Bedarfslagen älterer Personen mit zuwanderungsbedingten, nichtdeutschen Sozialisationseinflüssen;

·         Stärkung der Nachbarschaftshilfe in kleinen Wohnquartieren.

 

Dümpten

·         Institutionalisierung von Kommunikation und Kooperation zwischen interessierten Bürgerinnen und Bürgern, der Sozialholding, ambulanten Pflegediensten, dem CBE, dem Bürgerverein etc.;

·         Planung einer Kontakt- und Informationsstelle mit Begegnungszentrum;

·         Verbesserung der Versorgung mit Lebensmitteln und anderen Gütern des täglichen Bedarfs durch Einrichtung eines Lieferservices bzw. Ansiedlung neuer kleiner Geschäfte;

·         Verbesserung der Information über vorhandene Angebote und Infrastruktur.

 

Heißen

·         Einrichtung einer Kontakt- und Informationsstelle für ältere Bürgerinnen und Bürger (ggf. in Kooperation mit Wohnungsbaugesellschaften und/oder einer Begegnungsstätte);

·         Schaffung von Transparenz in Bezug auf vorhandene Angebote und Infrastruktur durch persönliche Kontaktaufnahme des Personals mit den Bürgerinnen und Bürgern.

 

Saarn

·         Institutionalisierung regelmäßiger Kommunikation und Kooperation innerhalb des Stadtteils unter Beteiligung aller mit Altersthemen befassten Fachleuten sowie der Bürgerinnen und Bürger;

·         Zusammenführung aller bestehenden Angebote für ältere Bürgerinnen und Bürger („Vernetzung“);

·         Erstellung einer Informationsbroschüre über vorhandene Alltagshilfen;

·         Erarbeitung eines Konzepts im Hinblick auf „zugehende“ Hilfen für ältere Personen;

·         Erarbeitung von Konzepten „betreuten“ Wohnens mit einem bedarfsorientierten Service-angebot.

 

Handlungsempfehlungen und aktueller Stand zu den Stadtteilforen und Arbeitsgruppen

 

Es lässt sich feststellen, dass sich die gemeinsamen Gespräche und die gemeinsame Definition von Aufgabenstellungen, die die Lebensbedingungen im Alter betreffen, mit älteren Bürgerinnen und Bürgern bewährt hat.

 

So konnte insbesondere die (Alltags-) Kompetenz der älteren Mitbürger genutzt werden, um sinnvolle Entwicklungsperspektiven in den einzelnen Stadtteilen aufzuzeigen. Die Bürgerinnen und Bürger, aber auch Dienstleister und Wohlfahrtsverbände haben durch ihre engagierte Mitwirkung an den konzeptionellen Überlegungen Mitverantwortung für das Gemeinwesen übernommen, in dem sie leben. Diese Form der Partizipation sollte weiter genutzt werden, um die dargelegten Handlungsempfehlungen in konkrete Planungen einfließen zu lassen.

 

Bei der Einrichtung der Stadtteilforen wurde besonderer Wert darauf gelegt, dass vor

allem auch ältere Bürgerinnen und Bürger zu Wort kommen, die keine Funktion in der Kommunalpolitik, in Kirchen, Verbänden, Gewerkschaften, an deren Interessenvertretungen oder ähnlichen Organisationen haben. An dieser Regelung sollte festgehalten werden.

Dem Grundsatz nach sind diese Foren keine geschlossenen Zirkel, sondern stehen allen interessierten Personen offen.

 

Dies setzt effiziente Arbeitsstrukturen voraus. Damit ist als erstes eine ziel- bzw. ergebnisorientierte Prozesssteuerung angesprochen. Ihre Funktion besteht zugleich darin, konkurrierende Interessen zum Ausgleich zu bringen. Aus diesem Grund wurde eine Koordinierungsstelle zur Projektsteuerung eingerichtet und an die Leitungsfunktion des Amtes angebunden.

Die Arbeit in den Stadtteilforen hat verbindlichen Charakter und basiert auf der Einhaltung geeigneter Verfahrensregeln:

 

Dies sind u.a.:

·         Die Festlegung der Ziele und Prioritäten,

·         die Abstimmung des Vorgehens und des Zeitrahmens und

·         die Dokumentation sowie ein begleitendes Controlling.

 

Die Inhalte, die in den Stadtteilforen und Arbeitsgruppen zur Sprache gekommen sind, weisen eine große Vielfalt auf, so dass die konzeptionelle Weiterarbeit in den stadtteilbezogenen Arbeitsgruppen zügig vorangehen kann. Zu erwarten ist, dass bald auch neue Themen zur Diskussion gestellt werden beispielsweise:

 

·         Altersbilder und Möglichkeiten ihrer positiven Beeinflussung,

·         Bildung, Kultur und Freizeit,

·         Gesundheitsförderung, Prävention und Rehabilitation,

·         palliative Versorgung und ambulante Sterbebegleitung;

·         außerdem gibt es bestimmte Zielgruppen, denen größere Aufmerksamkeit zuteil werden sollte, z. B.:

·         Ältere Personen mit zuwanderungsbedingten nichtdeutschen Sozialisationseinflüssen,

·         Personen mit demenziellen Erkrankungen und

·         pflegende Angehörige.

 

Mit welcher Zielsetzung die einzelnen Themen in den Stadtteilforen weiter behandelt werden, wird sich aus diesen Gesprächen ableiten. So wurde beispielsweise von den älteren Bürgerinnen und Bürgern immer wieder Informations- und Beratungsbedarf artikuliert und die Notwendigkeit weiterer Einrichtungen als Kontakt- und Informationsstellen gewünscht.

Es sollte u.a. geprüft werden, ob die Infrastruktur der Begegnungsstätten im Sinne einer Verbesserung des Informations- und Beratungsangebots und auch darüber hinaus für bestimmte Serviceleistungen genutzt werden kann. Denkbar wäre etwa der Aufbau von „sozialen Stützpunkten“ oder die Qualifizierung und Unterstützung engagierter Bürgerinnen und Bürger, ggf. unter Mitwirkung des CBE.

Zum diesem letzten Punkt fand im Dezember 2008 ein Gespräch mit den Trägern der Seniorenbegegnungsstätten statt. Dieser Dialog wird fortgesetzt.

 

 

 

 

Finanzielle Auswirkungen:

Finanzielle Auswirkungen:

Keine.

 

I. V.

 

Ulrich Ernst

 

Anlage:

Die Datenübersicht mit Schaubildern zum Bericht wurde aufgrund des hohen Datenumfanges in das Ratsinformationssystem Allris eingestellt und ist dort einsehbar.

 

 

Anlage(n):

Anlage(n):

 

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 Seniorenpolitik_MH_Projektbericht-Anhang (6833 KB)