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Vorlage - V 16/0021-01  

 
 
Betreff: Baubeschluss
Erneuerung der Hauskampstraße (zwischen Bahnhof Styrum und Moritzstraße)
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage
Verfasser:Schotte, Christoph, Tel. 6625
Federführend:Amt 66 - Amt für Verkehrswesen und Tiefbau Beteiligt:Amt 30 - Rats- und Rechtsamt
    Referat VI
Beratungsfolge:
Bezirksvertretung 2 Vorberatung
02.02.2016 
Sitzung der Bezirksvertretung 2 ungeändert beschlossen   
Planungsausschuss Entscheidung

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Finanzielle Auswirkungen
Anlage/n
Anlagen:
Anlage_1  
Anlage_2  
Anlage_3  
Anlage_4  
Anlage_5  
Anlage_6  
Anlage_7  

Beschlussvorschlag:

 

Der Planungsausschuss beschließt, entsprechend den folgenden Erläuterungen und den beigefügten Anlagen, die Erneuerung der Hauskampstraße zwischen dem Bahnhof Styrum und der Moritzstraße.

Ferner fasst der Planungsausschuss einen vorgezogenen Vergabebeschluss.

 

 


Begründung:

 

1. Lage der Baumaßnahme

Die Hauskampstraße befindet sich im Stadtteil Styrum und schließt stadtauswärts an die Steinkampstraße an. Richtung Stadtzentrum knüpft die Straße an die Oberhausener Straße im Bereich der Thyssenbrücke an.

Die Hauskampstraße ist eine zweistreifige Hauptverkehrsstraße und Bestandteil des städtischen Vorbehaltsnetzes.

Zwischen der Steinkampstraße und der Moritzstraße ist die Hauskampstraße nicht klassifiziert. Im weiteren Verlauf (zwischen der Moritzstraße und der Oberhausener Straße) ist die Hauskampstraße als Ortsdurchfahrt der Landesstraße L 140 klassifiziert.

 

Der Ausbaubereich mit einer Baulänge von rd. 0,92 km liegt zwischen dem Bahnhof Styrum und der Moritzstraße.

 

2. Bestand

Die Hauskampstraße (zwischen Steinkampstraße und Düppelstraße) ist eine historische, zum Anbau bestimmte Erschließungsanlage und erlangte bereits im Jahr 1913 einen entsprechenden Ausbaustandard. Das verbleibende, nicht zum Anbau bestimmte Teilstück von der Düppelstraße bis zur Thyssenbrücke galt im Jahr 1980 als fertiggestellte Straße.

1977 wurden die Fahrbahn und der Gehweg zwischen der Limburgstraße und der Meißelstraße erneuert. 

 

Der heutige Straßenzug ist geprägt durch den Straßenbahnkörper der ehemaligen Linie 110, welche im Oktober 2015 zur Umsetzung des Nahverkehrsplans der Stadt Mülheim an der Ruhr stillgelegt und durch die neue Buslinie 128 ersetzt wurde. Die Buslinie 128 verläuft ab der Steinkampstraße nicht wie die Straßenbahnlinie 110 gänzlich über die Hauskampstraße, sondern verläuft ab der Limburgstraße über die Moritzstraße in Richtung Thyssenbrücke (Oberhausener Straße).

 

Der stillgelegte Gleiskörper liegt asymmetrisch in der Fahrbahn der Hauskampstraße und wird stadtauswärts komplett und stadteinwärts halb vom motorisierten Individualverkehr (MIV) überfahren, wodurch erhöhte Lärmemissionen entstehen.

 

Zwischen der Limburgstraße und der Düppelstraße befindet sich innerhalb der Gleiszone ein großformatiges Pflaster aus Schlackensteinen. Im Verlauf der Gleise haben sich Spurrillen in diesem Pflaster gebildet (siehe Anlage 6, Bild 4). Die restliche Gleiszone und die Fahrbahn außerhalb der Gleiszone wurden asphaltiert. Die Gehwege sind abschnittsweise mit Betonplatten, Pflastersteinen oder mit Asphalt ausgebaut.

Resultierend aus den großformatigen Schlackensteinen in der Fahrbahn wurde im Lärmaktionsplan 2013 der Stadt Mülheim der Abschnitt zwischen der Limburgstraße und der Düppelstraße als Lärmbrennpunkt ausgewiesen. Um die Lärmemission zeitnah etwas zu verringern, wurde Mitte 2014 die Maßnahme ST 3 des Lärmaktionsplans (Vorlage V13/0795-01) umgesetzt und die Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 km/h auf 30 km/h herabgesetzt.

 

Die Hauskampstraße hat eine 8,00 m bis 9,00 m breite Fahrbahn. Bis auf wenige Abschnitte wird auf der südlichen Straßenseite komplett auf der Fahrbahn geparkt.

 

Nördlich entlang der Hauskampstraße verläuft eine Mauer der Deutschen Bahn (DB). Im Abschnitt zwischen der Hammerstraße und der Meißelstraße grenzt die Mauer ohne bauliche Trennung bzw. ohne Sicherheitsraum direkt an die Fahrbahn. Im Regelfall wird zwischen dem südlichen Gehweg und der Mauer der DB eine Breite von 9,00 m (inkl. Sicherheitsstreifen zur Mauer) benötigt, um ein regelkonformes Parken anordnen zu können. Im Bestand ist dieses Maß überwiegend nicht vorhanden, und der MIV parkt zum Teil mit auf dem Gehweg.

 

Von der Oberhausener Straße verläuft von bzw. in Richtung Innenstadt eine Hauptroute des Radverkehrsnetzes über die Hauskampstraße bis zur Geh- und Radwegbrücke, welche die Hauskampstraße mit der Siegfriedstraße verbindet. Gleichwohl gibt es keine Radverkehrsanlagen und der Radverkehr wird auf der Fahrbahn geführt.

Auf der nördlichen Seite wird der Fußgängerverkehr ab der Fußgängerbrücke auf einem zu schmalen Gehweg geführt (siehe Anlage 5, Bild 1). Auf südlicher Seite ist der Gehweg niveaugleich zur Fahrbahn und es besteht keine effektive bauliche Trennung (siehe Anlage 5+6, Bild 2+3). Im Bereich der Fußgängerbrücke kann die Hauskampstraße über die vorhandene Fußgängerampel gequert werden.

 

Der Straßenquerschnitt entspricht größtenteils nicht den verkehrlichen Anforderungen der Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen (RASt 06). Darüber hinaus ist der Oberbau abschnittsweise sehr schadhaft und verbraucht (siehe Anlage 5-7).

 

Die zuvor beschriebenen baulichen und verkehrlichen Mängel sollten aus Gründen der Verkehrssicherheit und der Wirtschaftlichkeit grundlegend und nachhaltig behoben werden.

 

3. Planung

Ausgangspunkt dieser Maßnahme ist die Streckenstilllegung der Straßenbahnlinie 110.

Die Schienenverkehrsanlagen der MVG sollen innerhalb des Ausbaubereichs vollständig zurückgebaut werden.  

Mit dem Rückbau des Gleiskörpers und des großformatigen Pflasters in der Gleiszone können die Lärmemissionen in der Hauskampstraße deutlich reduziert werden und die Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 km/h auf 30 km/h kann wieder aufgehoben werden. In Folge dessen würde die Hauskampstraße wieder der Funktion des Vorbehaltsnetzes gerecht werden.

 

Ferner ist es beabsichtigt, eine regelkonforme Fahrbahn mit einer Breite von 6,50 m (6,00 m zwischen der Limburgstraße und Haus-Nr. 54) und mindestens Parkstreifen bzw. Parkbuchten auf der angebauten Straßenseite zu schaffen. Mit den Parkbuchten wird das Parken geordneter und das "Wildparken" reduziert. Dabei soll neben den Parkbuchten ein ausreichend breiter Gehweg (ca. 2,00 m) verbleiben. Punktuell kann sich die Gehwegbreite im Bereich von Einbauten wie z.B. Hauseingangstreppen verringern. Im Verlauf der Hauptroute des Radverkehrsnetzes sollen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit Radverkehrsanlagen geschaffen werden.

Zu der Mauer der DB wird ein durchgängiger Sicherheitsabstand von ≥ 50 cm in Form eines sog. Schrammbordes erzeugt.

Mit der Einfassung der Fahrbahn entsteht eine optische Einengung, wodurch das Geschwindigkeitsniveau gesenkt werden kann.

 

Zur Einhaltung ausreichender Sichtfelder gem. der RASt 06 wird das Parken vor und hinter den Einmündungen (in einem dafür erforderlichen Abstand) unterbrochen.

 

Ab der Geh- und Radwegbrücke (zur Siegfriedstraße) soll der Radverkehr in Richtung Moritzstraße auf einem Schutzstreifen geführt werden, welcher an die vorhandene Radverkehrsanlage der Moritzstraße anknüpft. In der Gegenrichtung soll der von der Oberhausener Straße / Hauskampstraße kommende, bordsteingeführte Radweg (ab der Brücke über die Bahntrasse der DB) als gemeinsamer Geh- und Radweg bis zur o. g. Geh- und Radwegbrücke weitergeführt werden.

Die Einmündung von der Moritzstraße zur Hauskampstraße wird mit einer Mittelinsel als Querungshilfe für den Fußgängerverkehr ausgebildet und dient gleichzeitig als Geschwindigkeitsdämpfer für den einbiegenden Kfz-Verkehr.

Im Bereich der Fußgängerbrücke wird die Fußgängerampel entfernt und durch eine Mittelinsel als Querungshilfe ersetzt.

 

Für die Ausbaustrecke sind folgende Querschnitte vorgesehen:

 

1)     Zwischen Bahnhof Styrum und Limburgstraße (siehe Anlage 1)

 

~2,50 mGehweg (im Bestand)

2,00 mLängsparkstreifen (im Bestand)

0,50 mSicherheitsstreifen

1,50 m Schutzstreifen

2 x 3,25 m Fahrstreifen

1,50 m Schutzstreifen

0,50 m Sicherheitsstreifen

2,00 m Längsparkstreifen (im Bestand)

~ 2,50 m Gehweg (im Bestand)

 

2)     Zwischen Limburgstraße und Haus-Nr. 54 (siehe Anlage 1+2)

 

0,50 m Schrammbord (zw. Limburgstr. und Hammerstr. Parken + Gehweg)

2 x 3,00 m Fahrstreifen

2,05 m Längsparkstreifen

2,00 m Gehweg (zw. Haus-Nr. 50 und 52 ≥ 1,60 m)

 

3)     Zwischen Haus-Nr. 54 und Fußgängerbrücke Siegfriedstraße (siehe Anlage 2-4)

 

0,50 mSchrammbord

2 x 3,25 m Fahrstreifen

2,05 mLängsparkstreifen

2,00 mGehweg (Breite je nach Verfügbarkeit variabel)

 

4)     Zwischen Fußgängerbrücke Siegfriedstraße und Moritzstraße (siehe Anlage 4)

 

3,00 mgemeinsamer Geh- und Radweg

 3,25 mFahrstreifen links

2,50 mFahrstreifen rechts

1,25 mSchutzstreifen

2,00 mGehweg (Breite je nach Verfügbarkeit variabel)

 

Die Hauskampstraße hat über den gesamten Fahrbahnquerschnitt eine durchschnittliche tägliche Verkehrsstärke (DTV) von 5.000 Kfz/24h mit einem Schwerverkehrsanteil (SV) von 3 %. Entsprechend dem Fahrplan 2015 / 2016 der MVG verkehren zwischen dem Bahnhof Styrum und der Limburgstraße im Tagesmittel rd. 90 Busse auf der Linie 128.

 

Für die Fahrbahn zwischen dem Bahnhof Styrum und der Limburgstraße wurde gem. den Richtlinien für die Standardisierung des Oberbaus (RStO 12) eine Belastungsklasse von Bk 1,8 ermittelt.

Für die Belastungsklasse Bk 1,8 ist folgender Regelaufbau der Stadt Mülheim (in Anlehnung an die RStO 12) vorgesehen:

 

Asphaltdeckschicht4,0 cm

Asphalttragschicht12,0 cm

Schottertragschicht15,0 cm

Frostschutzschicht29,0 cm

60,0 cm

Für die Fahrbahn zwischen der Limburgstraße und der Moritzstraße wurde aufgrund des ÖPNV eine höhere Belastungsklasse von Bk 10 ermittelt.

Für die Belastungsklasse Bk 10 ist folgender Regelaufbau der Stadt Mülheim (in Anlehnung an die RStO 12) vorgesehen:

 

Asphaltdeckschicht4,0 cm

Asphaltbinderschicht8,0 cm

Asphalttragschicht10,0 cm

Schottertragschicht15,0 cm

Frostschutzschicht28,0 cm

65,0 cm

 

Die Längsparkstände erhalten für die Belastungsklasse Bk 0,3 folgenden Aufbau:

 

Betonsteinpflaster8,0 cm(anthrazit)

Bettung4,0 cm

Schottertragschicht15,0 cm

Frostschutzschicht23,0 cm

50,0 cm

 

Für die Gehwege wurde gem. RStO 12 folgender Aufbau gewählt:

 

Betonsteinpflaster8,0 cm(grau)

Bettung4,0 cm

Schottertragschicht15,0 cm

Frostschutzschicht13,0 cm

40,0 cm

 

In der Fahrbahn wird zur Lärmminderung ein Splittmastixasphalt eingebaut. Die Nebenanlagen (Parken, Gehweg) erhalten eine Befestigung aus Betonsteinpflaster und die Querungsstellen werden mit taktilen Leitelementen ausgebaut.

 

Die Hauskampstraße dient während des Ausbaus der Oberhausener Straße und des Neubaus der Thyssenbrücke (Vorlage - V 14/0022-01) als Umleitungsstrecke. Es ist dringend anzuraten, die Maßnahme vor dem Bau der Thyssenbrücke umzusetzen. Ansonsten ist die Erneuerung der Hauskampstraße nicht vor 2020 und nicht mit Bundesfördermitteln realisierbar.

 

 


Finanzielle Auswirkungen:

 

Die Gesamtkosten der Baumaßnahme wurden mit insgesamt 1.676.000,- € kalkuliert. Im Rahmen der Haushaltsplanung für Investitionsmaßnahmen 2016 sind unter PN 12020 B9 210 (Erneuerung der Hauskampstraße) Finanzmittel i.H.v. 1.194.000,- ausgewiesen. Die Maßnahme wird darüber hinaus im Rahmen des Gesetzes zur Umsetzung des Kommunalinvestitionsförderungsgesetzes in Nordrhein-Westfalen (KInvFöG NRW) gefördert (siehe V15/0717-01). Die förderfähigen Baukosten wurden mit 482.000,- € berechnet und sind im Rahmen der Veränderungsnachweisung zum Investitionsprogramm 2016 anteilig unter PN 12020 99 224 (Tiefbaumaßnahmen KInvFöG) veranschlagt.

Der Ausbau ist gemäß § 8 Kommunalabgabengesetz NRW (KAG NRW) in Verbindung mit der Straßenbaubeitragssatzung zugleich beitragsfähig. Die Anliegerbeiträge wurden auf Grundlage der für 2016 geltenden Beitragssätze (hier: V 15/0687-02) berechnet und sind mit 109.000,- € bei PN 12020 99 224 und mit 370.000,- € bei PN 12020 B9 210 veranschlagt (Gesamt: 479.000,- €). 

Der förderfähige öffentliche Finanzierungsanteil von 373.000 € (482.000 € abzgl. 109.000 € Anliegerbeiträge) wird zu 90 % gefördert. Die Maßnahme bezogenen Fördermittel belaufen sich hiernach auf 336.000,- €.

Nach dem KInvFöG NRW werden augenblicklich nur solche Investitionsvorhaben gefördert, die bis zum 31. Dezember 2018 vollständig umgesetzt und abgenommen sind; eine Umsetzung der Maßnahme nach Fertigstellung der Thyssenbrücke wäre im Rahmen des KInvFöG NRW folglich nicht mehr realisierbar.

 

I. V.

Peter Vermeulen

 

 


Anlagen:

 

Anlage 1-4 Lagepläne

Anlage 5-7 Bilder

 

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 Anlage_1 (202 KB)      
Anlage 2 2 Anlage_2 (168 KB)      
Anlage 3 3 Anlage_3 (161 KB)      
Anlage 4 4 Anlage_4 (254 KB)      
Anlage 5 5 Anlage_5 (1822 KB)      
Anlage 6 6 Anlage_6 (1320 KB)      
Anlage 7 7 Anlage_7 (1247 KB)