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Vorlage - V 17/0600-01  

 
 
Betreff: Umwandlung des Frühförderzentrums der Stadt Mülheim an der Ruhr in ein interdisziplinäres Frühförderzentrum
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage
Verfasser:Herr Dr. Ohde, Tel. 5301
Federführend:Amt 53 - Gesundheitsamt Beteiligt:Amt 24 - Fachbereich Finanzen
    Amt 30 - Rats- und Rechtsamt
   Amt 50 - Sozialamt
   Referat V
   Referat II
   Referat III
   Referat I
Beratungsfolge:
Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales Vorberatung
28.09.2017 
Sitzung des Ausschusses für Arbeit, Gesundheit und Soziales (Etat) ungeändert beschlossen   
Finanzausschuss Vorberatung
09.10.2017 
Sitzung des Finanzausschusses (Etat) ungeändert beschlossen   
Rat der Stadt Mülheim an der Ruhr Entscheidung
18.10.2017 
Sitzung des Rates der Stadt Mülheim an der Ruhr ungeändert beschlossen   

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Finanzielle Auswirkungen
Anlage/n
Anlagen:
Bewertungsbogen1  

Beschlussvorschlag:

 

Der Rat der Stadt beschließt die Umwandlung des Frühförderzentrums der Stadt Mülheim an der Ruhr in ein interdisziplinäres Frühförderzentrum (IFF) zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Sollte sich kurz- oder langfristig abzeichnen, dass die Anzahl von 70 Behandlungsplätzen nicht ausreicht, da der Bedarf größer ist, so kann mit den Krankenkassen – unter der Voraussetzung einer vollständigen Refinanzierung – eine weitere personelle Aufstockung vereinbart werden.

 

 


Begründung:

 

Das Gesundheitsamt der Stadt Mülheim an der Ruhr betreibt seit ca. 40 Jahren ein Zentrum zur Behandlung und Therapie von entwicklungsverzögerten Kleinkindern.

Im damaligen „Behandlungszentrum für bewegungsgestörte Kinder“ wurden überwiegend Kinder mit Erkrankungen des Bewegungsapparates und zentralen Bewegungsstörungen behandelt. Seit 1978 werden über die motorische Förderung hinaus auch heilpädagogische Behandlungen mit spieltherapeutischen Elementen durchgeführt.

Anfang der 90er Jahre übernahm die Stadt Mülheim die Trägerschaft für die Frühförderung, um der steigenden Anzahl von entwicklungsauffälligen Kindern ein niederschwelliges Angebot vor Ort entgegenzusetzen. Die Weiterführung der freiwilligen Aufgabe wurde dann noch einmal im Juni 2008 vom Rat der Stadt beschlossen.

Bis auf die physiotherapeutischen Leistungen, die langjährig mit den Krankenkassen abgerechnet werden konnten, wurden die Behandlungen im Rahmen der Eingliederungshilfe von der Kommune finanziert.

 

Nach dem Umzug der Einrichtung im Jahre 2012, der wegen des Sanierungsstaus des bis dahin genutzten Gebäudes an der Bruchstraße notwendig war, in die Heinrich-Melzer-Str. 1, wurde die Zulassung zur physiotherapeutischen Praxis, die an einen bestimmten Standort gebunden ist, seitens der Krankenkassen gekündigt. Seitdem verhandelt das Gesundheitsamt der Stadt Mülheim an der Ruhr mit der AOK Rheinland als Verhandlungsführerin über die Zulassung zu einem interdisziplinären Frühförderzentrum (IFF), bei dem sich die Kassen an den Kosten beteiligen.

 

In Mülheim an der Ruhr wird die Interdisziplinäre Frühförderung als Komplexleistung bisher von keinem Anbieter zur Verfügung gestellt. Der komplexe Förder- und Unterstützungsbedarf von behinderten oder von Behinderung bedrohten Kindern kann weder von den vor Ort niedergelassenen Praxen/Einrichtungen gedeckt werden noch von den IFFs in Oberhausen (3 Einrichtungen) oder Duisburg (3 Einrichtungen), die nur vereinzelt Familien aus Mülheim an der Ruhr auffangen.

 

Laut § 3 Frühförderungsverordnung (FrühV) sind interdisziplinäre Frühförderstellen

…“familien- und wohnortnahe Dienste und Einrichtungen, die der Früherkennung, Behandlung und Förderung von Kindern dienen, um in interdisziplinärer Zusammenarbeit von qualifizierten med.-therapeutischen und pädagogischen Fachkräften eine drohende oder bereits eingetretene Behinderung zum frühestmöglichen Zeitpunkt zu erkennen und die Behinderung durch gezielte Förder- und Behandlungsmaßnahmen auszugleichen oder zu mildern…..“

 

Die in einer IFF angebotenen Komplexleistungen, auf die das Kind bei einer entsprechenden Indikation einen Anspruch hat, bestehen aus Leistungen zur med. Rehabilitation (§ 5 FrühV) – Kostenträger ist hier die für das Kind zuständige Krankenkasse – sowie aus heilpädagogischen Leistungen, die der Sozialhilfeträger im Rahmen der Eingliederungshilfe finanziert.

Die IFF ist eine multiprofessionelle Einrichtung, in der verschiedene Fachdisziplinen in engem Austausch und zum Wohle der ihnen anvertrauten Kinder zusammenarbeiten. Sie versteht sich als Teil des Gesamtsystems einer flächendeckenden Grundversorgung und bietet von Behinderung bedrohten oder behinderten Kindern und ihren Eltern ab Geburt bis zur Einschulung ein individuelles Förder- und Behandlungsangebot an.

 

Der Mülheimer Einrichtung fehlen zur Umwandlung in ein interdisziplinäres Frühförderzentrum mit 70 Plätzen die nachfolgenden Fachdisziplinen im jeweils angegebenen Stundenumfang:

 

Qualifikation                Stellenumfang in Std./Wo.      

Logopäde/Logopädin15,00 Stunden

Ergotherapeut/in15,00 Stunden

Psychologe/Psychologin  3,00 Stunden

 

Außerdem ist bei der in der Einrichtung beschäftigten Verwaltungskraft, die u.a. für die  Abrechnung mit den Krankenkassen zuständig ist, eine Aufstockung der Stelle um 9 Stunden erforderlich. Und im Bereich der Verwaltungsabteilung des Gesundheitsamtes sind für die Geschäftsführung und das Controlling zusätzlich mind. 13 Stunden notwendig.

Die fehlenden Stellenanteile müssen – bis auf die Stunden für den/die Psychologe/n/in, der/die über einen Kooperationsvertrag verpflichtet werden soll – über den Stellenplan 2019 neu eingerichtet werden.             

 


Finanzielle Auswirkungen:

 

Das Mülheimer IFF wird ab dem ersten vollen Betriebsjahr gegenüber der aktuellen Situation eine Ergebnisverbesserung i.H.v. ca. 20.000 Euro realisieren.

 

Des Weiteren wird auf den beigefügten Bewertungsbogen zu dem GPA-Vorschlag 53-3 „Umsetzung der Anerkennung als interdisziplinäres Frühförderzentrum“ verwiesen, welcher die relevanten finanziellen Auswirkungen detailliert dargestellt.

 

 

 

Ulrich Scholten


 

Anlagen:

Bewertungsbogen zur GPA-Maßnahme

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 Bewertungsbogen1 (145 KB)