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Vorlage - V 17/0893-01  

 
 
Betreff: Ausbruch von Legionellenpneumonie im Evangelischen Krankenhaus Mülheim an der Ruhr
Status:öffentlichVorlage-Art:Berichtsvorlage
Verfasser:Herr Dr. Ohde, Tel. 5301
Federführend:Amt 53 - Gesundheitsamt Beteiligt:Amt 30 - Rats- und Rechtsamt
    Amt 50 - Sozialamt
   Referat V
   Referat III
   Referat I
   Amt 70 - Amt für Umweltschutz
Beratungsfolge:
Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales Kenntnisnahme
17.11.2017 
Sitzung des Ausschusses für Arbeit, Gesundheit und Soziales zur Kenntnis genommen   

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Finanzielle Auswirkungen
Anlage/n

Behandlungsvorschlag:

Der Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales nimmt den nachfolgenden Bericht zur Kenntnis.


Bericht:

 

Das Evangelische Krankenhaus hat die Auffälligkeiten im Sinne eines Legionellose-Ausbruchs am Montag, dem 04.09.2017, festgestellt und das Gesundheitsamt informiert. Ab diesem Zeitpunkt war das Gesundheitsamt in die Infektionsquellenermittlung und die Bekämpfung der Weiterverbreitung einbezogen.

 

Seitens des Krankenhauses wurden folgende mögliche Infektionsquellen identifiziert:

  •    Kühlanlage auf dem Dach des Gebäudes
  •    Trinkwasserleitungen

 

Folgende Erstmaßnahmen wurden seitens des Krankenhauses vorsichtshalber ergriffen:

  •          Es wurden alle Wasserentnahmestellen nachgerüstet: Duschfilter im gesamten Krankenhaus, endständige Wasserhahnfilter im Haus B in patientenrelevanten Bereichen.
  •          Die auf dem Gebäudedach installierte Kühlanlage wurde am 05.09.2017 stillgelegt und teilweise demontiert.

 

Diese Maßnahmen erfolgten in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt mit dem Ziel, dass auf diese Weise eine weitere Gefährdung von Patienten, Personal und Besuchern ausgeschlossen ist.

Am 05.09.2017 erfolgte eine Mitteilung an das Landeszentrum für Gesundheit (LZG, für Infektionsschutz zuständige Landesbehörde).

Aufgrund der Möglichkeit einer Verbreitung der Keime über die Kühlanlage auf dem Dach wurden das Umweltamt der Stadt (Untere Immissionsschutzbehörde) und das LANUV als zuständige Landesbehörde einbezogen.

In der Folgezeit wurden Umweltproben am Trinkwassernetz und an der stillgelegten Verdunstungsanlage genommen und zur Analyse an das Labor von Prof. Exner vom Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universität Bonn bzw. das LANUV übergeben.

Das Amt für Umweltschutz (UIB) hat das nähere Umfeld des Krankenhauses auf weitere mögliche Emittenten untersucht. Im Umkreis von 300 m um das Krankenhaus wurden keine offenen Rückkühlanlagen festgestellt.

Die Analyse des Übertragungsweges von der Verdunstungsanlage über die Außenluft am Krankenhaus wurde nach Diskussion der Hygienebeauftragten des Krankenhauses mit dem Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universität Bonn und dem Hersteller auf Grund der technischen Gegebenheiten als nicht wahrscheinliche Ausbreitungsmöglichkeit erachtet.

Notwendige Maßnahmen zur endgültigen Gefahrenabwehr sind daher auf die Trinkwasseranlage im Krankenhaus zu richten. Die thermische Desinfektion des Warmwassersystems wurde durch das Gesundheitsamt angeordnet.

Am 04.10.2017 fand im Krankenhaus eine Besprechung der Maßnahmenplanung zu weiteren baulichen Erfordernissen an der Trinkwasserinstallation statt.

 

Insgesamt sind im zeitlichen Zusammenhang 18 Personen an Legionellen-Pneumonie erkrankt. Hiervon sind wahrscheinlich 16 Patienten einer ursächlichen Infektion im Krankenhaus zuzuordnen. Die betroffenen Personen waren Patienten verschiedener Stationen oder des ambulanten Bereichs.

Bis zum 14.09.2017 waren 4 erkrankte Personen verstorben. Die Todesursache ist noch nicht abschließend ermittelt.

Prophylaktisch wurden insgesamt 65 Patientinnen und Patienten aus dem Gebäude B des Krankenhauses mittels Schnelltest im Urin (Antigennachweis) auf Legionellen untersucht.

 

Inzwischen ist die Inkubationszeit seit der Umsetzung der Maßnahmen verstrichen, so dass weitere Erkrankungen über diese Pfade nicht mehr verursacht werden können und seitdem auch nicht mehr aufgetreten sind.

Der Verlauf hat somit bestätigt, dass die gleich zu Beginn des Ausbruchs getroffenen Maßnahmen zur Beendigung des Ausbruchs korrekt und effektiv waren. Damit war eine Gefahr für die Bevölkerung bzw. für die im Krankenhaus Behandelten oder Beschäftigten bereits am 05.09.2017 gebannt.

 

Aufgabe des Gesundheitsamtes ist unter anderem die Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten und die Hygieneüberwachung der Krankenhäuser. Das Gesundheitsamt war im vorliegenden Fall von Anfang an zuständig und aktiv einge-bunden und ist auch der Pflicht nachgekommen, die zuständige Landesbehörde (LZG) zu informieren.

Der Fokus der Aufgaben des Gesundheitsamtes liegt klar in der Überwachung. Seitens des Gesundheitsamtes als Aufsichtsbehörde können keine Informationen über Dritte veröffentlicht werden, die nicht der Sicherheit der Bevölkerung (Bekämpfung der Weiterverbreitung einer Infektionskrankheit) dienen. Die Gefahr der Weiterverbreitung von Legionellosen durch den Krankenhausausbruch war wie oben dargestellt bereits am 05.09.2017 gebannt, weshalb auf die Information der Öffentlichkeit seitens der Verwaltung verzichtet wurde.

 

Neben der Ausrüstung von ca. 1.500 Wasserentnahmestellen in allen Gebäudeteilen des Evangelischen Krankenhauses mit Sterilfiltern als Sofortmaßnahme und dem erforder-lichen Filteraustausch in vierwöchigen Abständen hat das Krankenhaus die laufenden technischen Umbaumaßnahmen des Wasserversorgungssystems beschleunigt und intensiviert. Darüber hinaus ist eine erste Desinfektion des gesamten Leitungssystems bereits erfolgt und eine weitere Desinfektionsmaßnahme in Kürze vorgesehen. Um ein Wiederaufkeimen von Bakterien in Stagnationswasser (z.B. in nicht genutzten Duschen in Patientenzimmern) zu verhindern, werden täglich alle Wasserentnahmestellen gespült.

Finanzielle Auswirkungen:

Keine.

 

 

I. V.

Ulrich Ernst